Wanderritt 2010 Woche 2

8. Tag San Vittore - Iragna (2.5 km vor Biasca)
Wiederum stehen wir um 5 Uhr früh auf, unser Schlafsack ist ein wenig feucht vom Tau, so binden wir ihn zum trocknen auf den Sattel. Nachdem wir wieder früh abgeritten sind, halten wir mittags Siesta. Die Pferde haben den neuen Rythmus schnell gewöhnt und nehmen die Pause dankbar an. Manitoba ist rössig geworden und wiehert jedem vermeintlichem Hengst nach. Bei den vielen Eseln hier, müssen wir aufpassen, dass sie uns nicht noch ein Maultier heimträgt. Bevor es zu regnen beginnt, finden wir dankbar in einem kleinen Reitstall Unterkunft. Wir schlafen im Stroh.
9 Tag Irgana - Faido
Von weitem sehen wir unser grosses Ziel den Gotthard
Nachdem es in der Nacht sehr heftig geregnet hat, sind wir dankbar, dass wir alle ein Dach über dem Kopf hatten! Bei trocknem Wetter reiten wir wieder los, ein schöner Weg entlang des Ticino führt uns nach Biasca. Dann nehmen wir die Veloroute bis Faido, grosse Stücke gehen der Kantonsstrasse entlang, alle Pferde verkehrssicher! Unterwegs gerät Bhubezi mit der vorderen Pfote unter Shamiras Huf, zum Glück ist es auf einer weichen Wiese. Endlich in Faido angekommen bekommen wir eine Unterkunft in einem alten Stall wo wir im leeren Heustock schlafen und die Pferde 2 Hektaren Weide haben. Der nette Bauer bringt uns noch frische kalte Milch und Kraftfutter für die Pferde. Zum Abendessen gibt es kühles Bier und Pizza ganz in der Nähe.
Unser Morgenkaffee
10 Tag Faido - Airolo
Das letzte Stück der Leventina, wieder ist es heiss, unsere 3 Liter Wasser sind im nu weggetrunken. Die Strecke ist länger als gedacht, nach etwas mehr als 5 Stunden sind wir erschöpft in Airolo angekommen.Bhubezi hinkt nun doch ein wenig, die Pfote ist wohl etwas gequetscht. Auf der Suche nach einer Unterkunft, finden wir am Fusse der Tremola, eine verlassene Militärübungsanlage, sofort wird abgesattelt, Weide ausgesteckt und Abendessen gekocht. Wasser gibt es im nahen Bach.
Nachdem wir unser Abendessen zubereitet haben und die gemütliche Abendstimmung geniessen, schiesst plötzlich ein Hund aus dem Gebüsch und jagt unsere Pferde, erschreckt galoppieren sie los. Shamira rennt gar durch den Zaun. Wütend bellend vertreiben unsere Hunde den Eindringling. Shamira kommt bereitwillig zurück und der friedliche Abend kehrt wieder zurück. Ein letztes Mal schlafen wir unter freiem Himmel.
11Tag Airolo - Gotthard Hospiz
Während wir die Pferde bereit machen zum Abritt, müssen wir feststellen, dass es sich wohl doch um eine aktive Militärübungsanlage handelt. Eine Truppe Soldaten rückt an und bereitet für die Übung vor, warten dann aber geduldig bis wir vom Platz sind. Der Aufstieg auf den Gotthard über die Tremola ist gigantisch schön, dies bei super schönem Wetter. Stetig und fleissig schreiten die Pferde bergauf. Auf der Hälfte des Weges bemerken wir, dass wir zum Fotomotiv eines Fotografen geworden sind. Er begleitet uns bis zum Hospiz. Wir erfahren, dass er eine Reportage über den Gotthardpass für eine Autozeitschrift macht. Auf dem Gotthard angekommen beziehen die Pferde eine Alpwiese und wir ein Zimmer mit echtem Bett und warmer Dusche! Später beobachten wir die Ankunft der Gotthardpostkutsche.



Auf dem Gotthard angekommen, können wir ihnen ein Stück Weide einzäunen. Wir geneissen ein feines Mittagessen auf der Sonnenterrasse und beobachten dann die Ankunft der Gotthardpostkutsche.


12 Tag Gotthard - Andermatt
Nach einer Nacht in einem bequemen Bett, aber viel zu heissem Hotelzimmer, empfängt uns der Morgen mit viel Nebel. Während wir die Pferde am Satteln sind, fängt es an zu regnen. Ein Gewitter und immer stärker werdender Regen begleitet uns auf dem Abstieg Richtung Andermatt.


Völlig durchnässt, von den Zehenspitzen bis zum Bauch, kommen wir in Andermatt an. Dakota ist so sauber gespült, dass seine Haut rosa durchs Fell schimmert. Freundlich werden wir von unserem Gastgeber empfangen. Doch statt der reservierten Boxen müssen die Pferde in einen sehr schmutzigen Kuhstall. Auch unser Material müssen wir dort deponieren und im nu sind die nassen Sachen voller Kuhmist. Die Pferde stehen in schmutziger Einstreu, dicht zusammen an einer Stange angebunden. Die Stuten drängen Dakota immer zu Seite. Das Wasser ist verschmutzt und wir müssen sauberes suchen.
Unsere Unterkunft ist Schlafen im Stroh, es ist hübsch gemacht, jedoch gerade über den Pferden des Gastgebers, welche die Boxen bewohnen die wir gedacht haben seien für unsere Pferde (laut Home-Page des Gastgebers). Ein sehr intensiver Amoniakgeruch durchzieht das Schlaflager.... Wir ziehen trockene Kleider an und versuchen irgendwie unsere Schuhe zu trocknen. Die Einheimischen raten uns wegen bevorstehendem Schneefall ein paar Tage hier auszuharren! Wir sind schon wegen der einen Nacht beunruhigt ob es mit den Pferde gut geht und können uns auf keinen Fall vorstellen, mehrere Nächte zu bleiben. Auch die Hunde müssen im Stall angebunden bleiben und dürfen nicht in unsere Unterkunft.
Wir sind sehr ratlos, was sollen wir machen? Die nächste Unterkunft Richtung Susten ist im Freien, also Pferdeweide im Schnee, da wollen wir unsere Pferde auch nicht über Nacht lassen, wenn sie geschwitzt haben. Wir befragen die Wetterprognosen im Internet, egal in welche Richtung, Kälte, Regen, Schnee.
Die Entäuschung ist gross, doch wir entschliessen uns hier abzubrechen und nach Hause zu gehen. Es waren zwei super Wochen und es ist uns wohler die Pferde wieder Zuhause in heimischer Unterkunft zu sehen als mit ihnen im Schnee in den Bergen zu stecken.
Ein ganz grosses Dankeschön an unsere lieben Freunde, Evi, Sändy und Rolf welche kaum 3 Stunden nach unserem Entschluss abzubrechen, mit den Trailern in Andermatt waren und uns heimgeholt haben.
